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Vitiligo in der Kita

Heute möchte ich gerne einmal darüber berichten wie es mir als Erzieherin in der Kita und den damit verbundenen  täglichen Fragen und Konfrontationen über mein Hautbild ergeht. Im Gegensatz zu Erwachsenen, sprechen Kinder mich in Bezug auf meine Vitiligo, immer sofort direkt an. Meistens geschieht dies, sobald ich mir die Ärmel meines Sweatshirts hochkrempele und die Kinder den Farbunterschied an meinen Armen entdecken. In der Regel fragen sie mich immer erst warum ich dort so braune Flecken habe. Dann erkläre ich immer zuerst das die braune Farbe meine eigentliche richtige Hautfarbe ist und das an den weißen Stellen die Farbe ausgegangen ist. Als Antwort kommt dann auch immer sofort die Frage wie und warum dort die Farbe ausgegangen ist. Meistens erzähle ich den Kindern das der liebe Gott keine Farbe mehr in seinem Farbeimer hatte und das an den weißen Stellen einfach die Farbe ausgegangen ist. 

Das ist auch jedes Mal wirklich ganz herzergreifend, denn jedes Kind entwickelt daraufhin seine eigene Theorie warum beim lieben Gott die Farbe ausgegangen ist oder sie geben mir Ratschläge das ich ihn doch nochmal fragen soll, ob er nicht doch noch eine Farbe nachbestellen könne. Andere Kinder erklären mir auch sofort das sie das ganz toll finden, da wir Menschen ja sowieso alle unterschiedlich aussehen und auch die Pflanzen und Tiere alle unterschiedlich sind. Nachdem dann alle Fragen geklärt sind und die Kinder dann meistens auch noch mit ihren Fingern meine Flecken am Arm nachgefahren oder meine Haut ertastet haben, ist das Thema Vitiligo für sie erledigt und es wird wieder fröhlich weitergespielt. Ganz anders fühlt es sich für mich mit Erwachsenen im Kindergarten an. Hier werde ich meist gar nicht angesprochen oder es wird so getan , als würde es übersehen oder freundlich akzeptiert.

Wobei ich trotz allem ein Starren verspüre oder aufgrund des Stillschweigens ein Unbehagen wahrnehme und mich dadurch in meiner Haut einfach unwohl und Anderst als alle Anderen fühle. Natürlich kann ich jetzt sagen, Anderst zu sein ist toll! Ja, das ist es, aber es ist auch ein langer Weg dorthin und ein tägliches und ständiges Wiederkehren an Kampf mit dem eigenen Ich, der Seele und dem nach ausenspiegelnden selbst. Ich liebe meine Vitiligo und begrüße mittlerweile jedes neu dazukommende Fleckchen mit Freude und nehme es mit gespannter Vorfreude, darauf was sich diesmal für eine neue Form auf meiner Haut aufzeichnet und entwickelt. Doch es war auch nicht immer so und deshalb ist es mir immer wieder ein Anliegen, als Frau und Vitiligo-Model, meine Geschichte  zu erzählen, um anderen Betroffenen Mut zu machen.

Was wäre dein Rat?

  • Mein Rat an alle die mit Vitiligo zu tun haben ist, präsent zu sein und mutig, denn es gibt keine schönere und größere Artenvielfalt wie die unserer Erde und wir sind alle ein Teil davon. Mein Wunsch wäre, das mehr Menschen ihre Vitiligo offen zeigen, damit es irgendwann genauso normal gehandhabt werden kann, wie z.B. ein Muttermal, ein Tattoo oder Sommersprossen. Ich denke auch das Erwachsene viel öfter einfach mal auf andere Menschen zugehen sollten und aufkommende Fragen stellen. Somit können Vorurteile erst gar nicht entstehen und auch vermieden werden.

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